Parodontologie

Laut der letzten Studie über die Zahngesundheit aus dem Jahr 2007 leiden ca. 80 % der Bevölkerung an einer mehr oder weniger ausgeprägten Parodontitis, der Erkrankung des Zahnhalteapparates. Sie ist die Folge einer nicht behandelten Gingivitis , der Erkrankung des Zahnfleischsaumes. Beide werden durch Bakterien verursacht und stellen somit eine Infektionserkrankung dar. Mittlerweile ist nachgewiesen, daß eine fortgeschrittene Parodontitis auch massive Wechselwirkungen in ganzen Körper verursachen kann.

Eine Gingivitis ist bei entsprechender Behandlung und Vorsorge reversibel ( umkehrbar ). Wird eine Parodontitis nicht behandelt, führt sie auf Grund von entzündungsbedingtem, fortschreitendem Knochenverlust langfristig zu Zahnwanderungen und Zahnverlust. Der Verlauf einer Parodontitis ist abhängig von der Bakterienart und -menge. So können agressive Keime innerhalb kürzester Zeit zu erheblichem Knochenverlust führen. Insofern ist die agressive Parodontitis von der chronischen Parodontitis zu unterscheiden. Dies ist wichtig, da unterschiedliche Behandlungskonzepte mit unterschiedlichem Aufwand langfristig zur Heilung führen. 

Im Gegensatz zu früher schöpft die moderne Parodontologie zunächst alle konservativen Behandlungs-möglichkeiten in Form von Ultraschallreinigung der Zahnfleischtaschen mit eventueller medikamentöser Begleittherapie aus. Professionelle Zahnreinigung in kurzen Abständen und häusliche Mitarbeit führen in relativ kurzer Zeit zur Ausheilung der Parodontitis. Sollten sich dennoch Zahnfleischtaschen nicht verringern, muß dann auch eine chirurgische Behandlung in Erwägung gezogen werden. Hier optimieren heute moderne regenerative Operationstechniken das Behandlungsergebnis.

In Abgrenzung zur bakteriell bedingten Parodontitis sind Rezessionen ( zurückgehendes Zahnfleisch ) zu unterscheiden, da sie NICHT bakteriell bedingt sind. Sie gehören auch in den Bereich der Parodontalerkrankungen und entstehen meist durch intensives horizontales Zähneputzen. Ihre Entstehung kann aber auch durch Kieferorthopädie und anatomisch bedingte dünne Knochenlamellen begünstigt werden. Es resultieren daraus oft übersensible Zahnhälse und im Spätstadium Zahnhalskaries. Mit Hilfe der plastischen Parodontalchirurgie lassen sich Rezessionen nachhaltig beseitigen ( Rezessionsdeckungen ). Auch hier finden regenerative Operationstechniken ihre Anwendung. Allerdings steigt der Schwierigkeitsgrad der Therapie mit der Größe und Anzahl der Rezessionen. 

Die präprothetische Parodontalchirurgie ist immer dann vor Restaurationen sinnvoll, wenn der zu versorgende Kronenstumpf zu kurz und / oder der Bereich der befestigten Schleimhaut um den Zahn herum zu schmal ist. Durch solche relativ kleinen chirurgischen Eingriffe lassen sich sehr häufig auch vorgeschädigte Zähne retten, da die parodontalen Schleimhautverhältnisse postoperativ entzündungsfrei sind. Dies wirkt sich positiv auf die Langlebigkeit des restautierten Zahnes aus. 

Da die Parodontologie die Gesunderhaltung des Zahnhalteapparates, also quasi des Zahnfundamentes, zur zentralen Aufgabe hat, ist sie meines Erachtens die wichtigste Teildisziplin moderner Zahnheilkunde! Denn ohne gesunden Zahnhalteapparat sind keine Implantate, Restaurationen, Kronen oder Kieferorthopädie mit Langzeiterfolgen denkbar.

 

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